«Chemical Landmark 2012» geht in die Chemie-Stadt Basel


Doppelte Auszeichnung für Basel: Mit der «Chemical Landmark 2012» wurde das Rosental-Areal als «Wiege der Basler Chemie» und das Firmenarchiv der Novartis als deren bedeutendes Gedächtnis gewürdigt. Die Auszeichnung wurde am Donnerstag von der «Platform Chemistry» der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) vergeben. 


Basel wird seit 200 Jahren von der Chemie geprägt. Das nun als «Historische Stätte der Chemie» ausgezeichnete «Rosental-Areal» ist das älteste der heute noch erhaltenen Baser Chemie-Areale. Im Jahr 1862 erbaute die J. J. Müller & Cie., eine Spin-off-Firma der J. R. Geigy AG, auf den Rosentalmatten eine moderne Produktionsstätte zur Herstellung von synthetischen Farbstoffen. Anfang des 20. Jh. wurde das Areal in verschiedene Richtungen durch neue Produktionsstätten erweitert. In den 1930er-Jahren begann man mit der Insektizid-Forschung und -Produktion, die durch die Entdeckung von DDT durch Paul Hermann Müller (Nobelpreis 1948) einen gewaltigen Aufschwung erlebte. Kurz darauf folgten Fungizide und Saatgutbeizen sowie pharmazeutische Produkte.

In den 1960er-Jahren wurde die Produktion auf dem Rosental-Areal eingestellt und ins Werk Schweizerhalle verlegt. Auf dem Rosental-Areal entstanden weitere Laboratorien, in denen in den 1950er und 1960er-Jahren die pharmazeutische Forschung vor allem bei der Entwicklung von entzündungshemmenden Antirheumamitteln sehr erfolgreich war: namhafte und international bekannte Produkte wie Butazolidin®, Tanderil® und vor allem Voltaren® wurden hier entwickelt.

Ab ca. 1980 wandelte sich das Rosental-Areal immer stärker zum Firmensitz von Ciba-Geigy, Novartis und schliesslich Syngenta. Im Jahr 2007 wurden die letzten Forschungslabors der Syngenta verlegt. Derzeit befinden sich neben dem Hauptgeschäftssitz der Syngenta mehr als 30 Unternehmen und wissenschaftliche Institutionen der Life Sciences-Branche auf dem Rosental- Areal, wobei eines der ältesten Gebäude nach wie vor auf dem Areal steht.

Auch die zweite ausgezeichnte Stätte ist Zeuge der bedeutenden Vergangenheit der hiesigen chemischen Industrie. Nicht nur die Geschichte des Rosentalareals ist im Firmenarchiv der Novartis AG zu finden. Als ältestes Unternehmensarchiv der Schweiz verwaltet das Firmenarchiv der Novartis AG die Bestände all ihrer Vorgängerfirmen zurück bis in die 1860er-Jahre. Namentlich sind dies die folgenden, unabhängig voneinander gewachsenen bzw. noch wachsenden Bestände der Firmen: J.R. Geigy AG (gegründet 1758), Durand & Huguenin AG (gegründet 1872), CIBA AG (gegründet 1884) und der darin integrierten Vorgängerfirmen, Sandoz AG (gegründet 1886) und darin integriert der Wander AG (ab 1967), Ciba-Geigy AG (Fusion von 1970) und Novartis AG (Fusion von 1996).

Ein grosses Stück der Geschichte der Basler chemisch-pharmazeutischen Industrie wird hier gesammelt, erschlossen und sicher aufbewahrt, aber auch Forschern, Historikern und weiteren Interessierten zugänglich gemacht. Das Archivgut umfasst neben verschiedenstem Schriftgut und Bild- und Tondokumenten auch Überraschendes wie die Nobelpreismedaille von Paul Hermann Müller, früheste pharmakologische Wirkstoffe sowie eine umfassende Sammlung von Werbe- und Produktedesigns. Das Firmenarchiv der Novartis verfügt gegenwärtig über rund 2,6 Laufkilometer erschlossene Akten und ca. 700 Laufmeter unbearbeitete Ablieferungen. Mit seinen historischen Beständen stellt es das umfassende Gedächtnis der aussergewöhnlichen Errungenschaften und Leistungen der Schweizer chemisch-pharmazeutischen Industrie dar.

An den Feierlichkeiten, die auf dem Rosental-Areal begannen und in einem zweiten Teil auf dem Novartis Campus weitergeführt wurden, wurden je eine Gedenktafel «Chemical Landmark 2012» enthüllt. In Festreden würdigten die beiden emeritierten Chemie-Professoren Dieter Seebach und Hans-Jürgen Hansen, sowie Christoph Mäder, Mitglied der Geschäftsleitung der Syngenta AG, und Pascal Brenneisen, Country President Switzerland der Novartis, die Bedeutung der beiden neu ausgezeichneten «Historischen Stätten der Chemie».

Mit dem Progamm «Chemical Landmarks» macht die «Platform Chemistry» das wissenschaftliche und technologische Erbe im Bereich der Chemie sichtbar. Bedeutsame Orte in der Geschichte der Chemie der Schweiz werden als «Historische Stätten der Chemie» ausgezeichnet - sie sind Teil des kulturellen Erbes der Schweiz. Die Auszeichnung in Basel ist die vierte «Chemical Landmark» nach der ersten chemischen Fabrik in Winterthur (2009), dem alten Chemiegebäude der ETH Zürich (2010) und dem Laboratorium von J.-C. Galissard de Marignac in Genf (2011). Weitere Informationen sind zu finden unter 

More information:
http://www.chemicallandmarks.ch.


David Spichiger, SCS
21.09.2012

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